Rottaler-Veteranen-Freunde

Das Wirtschaftswunder

Eggenfelden erlebte ...

„Das Wirtschaftswunder"

In den Räumen des Retropolis-Eggenfelden veranstaltete das Team um Gabi Büttner und Ihrer Jazz-Dance-Company und der Visino Chor eine Revue mit Musik und Tanz, welche die entbehrungsreiche Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis in die 60iger Jahre wieder erstehen ließ. Richard Eder leitete mit Erzählungen auf sehr bewegende Weise durch diese Zeit.

Beginnend mit dem Wiederaufbau durch die „Trümmerfrauen" räumten, kehrten und rackerten die Damen und Herren der Jazz-Dance-Company auf der Bühne. Während der ganzen Veranstaltung wurden auf einer Großleinwand alte Bilder, wie zu Beginn z.B. die zerbombten Städte, aber auch Werbungen undBerichte aus den einzelnen Themenbereichen eingeblendet, was die Illusion in der damaligen Zeit zu sein noch verstärkte.

Mit Eimern, Kannen, Besen bewaffnet entstand, begleitet vom Stampfen der Füße, eine Rhythmusmusik wie diese von Gruppen wie „Stomp" bekannt ist. Mit dem Einzug der Amerikaner, welche mit einem echtem Willy´s Jeep angefahren kamen, wurde für die Menschen wieder alles besser und man konnte wieder etwas Freude sprühen – Mut fassen für einen Neuanfang! Für die Damen gab´s Nylon´s, für Kinder Schokolade und für die Männer Zigaretten. Der Schwarzhandel mit Zigaretten blüht. Dann jedoch entsteht die Bundesrepublik Deutschland und die soziale Marktwirtschaft und die heute so vermisste Deutsche Mark. Es lohnt sich wieder anzupacken. Durch Gründlichkeit, Fleiß, Disziplin, Pünktlichkeit (Die typisch deutschen Eigenschaften) entsteht „Das Wirtschaftswunder".

Die ganze Entwicklung wurde in Bild und Tanz, in Text und Musik auf eine sehr mitreißende Weise dargestellt, was der Beifall in der ausverkauften Halle belegte. Zwischen den einzelnen Showelementen erfreute der Visino-Chor mit Liedern von damals, welche das Lebensgefühl dieser Zeit wiederspiegelten. Der Visino-Chor wurde von Arno Wahler aus München, am Klavier begleitet und von Thomas Scherbel, dem musikalischen Leiter dirigiert. Die glasklaren Stimmen des Visino-Chors wurden zusätzlich von der außergewöhnlichen Akustik der Oldtimerhalle getragen.

Alain Camus

Mitreißend stellte Richard Eder die letzten Minuten vor dem alten Röhrenradio, beim Verfolgen der Fußball WM 1954 - Deutschland gegen Ungarn dar. Dann – 3:2 für Deutschland. Plötzlich sind wir wieder wer. Aus Trümmern, Leid und Ächtung erblüht ein neues Selbstbewusstsein. Freude und Mut zum Anpacken erzeugen auch neue Wünsche. Wünsche die alles leichter und besser machen. Neue Haushaltsgeräte, ein VW Käfer, die Reise in den Urlaub nach Italien. Dies alles wurde auf der Bühne mit Tanz und Musik in ein eindruckvolles Szenario verwandelt. Kein bisschen langweilig und träge, sondern schwungvoll und mitreißend. Bei Titeln wie Motorbiene kamen die Slapstickprofis des Rottaler Staatszirkus, Evelyne und Barny Weigl sogar per Vespa-Rollerdurch das Publikum gefahren und legten eine heiße Sohle auf´s Parkett.

Auch eine Modenschau im alten Stil durfte nicht fehlen. Aber ein besonderer Gag waren „ Die Beine von Dolores". Hier buhlten nackte Männerbeine um die hübschen Beine der Dolores, was auch mit ein paar pikanten Darstellungen für besondere Lacher sorgte. Über „Zwei kleine Italiener" zu „Buona siera Signorina". Die Damen der Jazz-Danze-Company tanzten mit den farbigen, wunderschönen, knielangen Sommerkleidern, die viele Männer heute so sehr vermissen und die Herren warfen als Capri-Fischer von einem Boot auf der Bühne die Netze aus. Während der Pause, sowie nach der Revue heizte die Band „Crossroad" den Gästen gehörig ein.

Per „Nachtexpress nach St. Tropez" ging’s auch ins „Pigalle" nach Paris, mit einem Can-Can wo Beine und Röcke nur so flogen – Oh La-La. Mit Lolitas „Seemann" und Freddy´s „Junge komm..." gab´s was für’s Herzschmerz und das Heimweh. Aber bei Bill Ramsey´s „Zuckerpuppe" im „Cafe Oriental" gab’s was für die Augen. Die grazilen Tänzerinnen und eine sagenhaft elastische Solistin waren, nicht nur der Kostüme wegen, wie ein Traum aus „Tausend und einer Nacht". So ging es von den „Kessler-Zwillingen" mit einer Show die dem Schwesternpaar alle Ehre machte, zu Marylin Monroe und weiter „zum deutschen Elvis – Peter Kraus".

Als dann der Visino-Chor „Moonriver" sang, kämpfte so mancher mit feuchten Augen. Vor dem Abschluß der Zeitreise mit einem Rock´n Roll Spektakel von Visino-Chor und Gabi Büttner´s Company, war der Rottaler Staatszirkus, mit einer Slapstick und Jonglagenummer zum Titel „Lolli-Pop" nochmals voll in Ihrem Element. Durch diese Revue waren die Räume des Retropolis-Eggenfelden, in denen normalerweise Oldtimer restauriert und gepflegt werden, mit dem Charme und Flair einer vergangenen Zeit beseelt.

Alles in allem ist Gabi Büttner und Ihrem Team, auf und hinter der Bühne und dem Visino-Chor wieder ein Glanzstück gelungen. Ein würdiger Nachfolger der „Irrlichter" im letzten Jahr und ein „Highlight" für das Rottaler Kulturleben. Viele Besucher dachten wohl voll Wehmut an eine Zeit zurück in der trotz 50 oder 48 Stundenwoche und vielen unerfüllten Wünschen, einiges besser und lockerer war. Vor allem ein gewisses WIR-Gefühl kann man heute vermissen. Es wird Zeit, dass wir wieder sagen können: Wir sind wieder wer.

Das alle Mitwirkenden auf und hinter der Bühne an andere denken, belegt die Tatsache, dass der Gesamterlös dieser Veranstaltung für das Sri-Lanka-Schulprojekt der Massinger Lehrerin Andrea Camara, welche den Tsunami am zweiten Weihnachtachtsfeiertag miterleben musste, gespendet wird.